Pitzbee

Honig vom Hügel

Kategorie: Bienchen

»Sag doch mal was zum Bienensterben«

Ich zucke ja immer etwas zusammen, wenn das B-Wort fällt. Und es fällt mir schwer, einen kurzen Text zu der plakativ so benannten Problematik zu schreiben – das ist so ein weites Feld! Ich versuche es mal.

Fakt ist: Es gibt bundesweit viel weniger Honigbienenvölker als früher. In der Imkerschaft wird seit Jahren eine teils hitzige Diskussion über die Ursache geführt. Eine Fraktion sieht die Schuld in der modernen Landwirtschaft mit ihren immer effektiveren Pflanzenschutzmitteln. Die andere, die unter anderem von Dr. Gerhard Liebig vertreten wird, sieht den Fehler hinter dem Kasten stehen.

Also erstmal sollte man unterscheiden zwischen der langjährigen Entwicklung und aktuellen Völkerverlusten.

Balkendiagramm Bienenvölker

Zwischen 1997 und 2016 hat sich der Zahl der Bienenvölker in meinem Imkerverein ungefähr halbiert

Früher gab es in jedem Dorf mehrere Bienenstöcke. Lehrer, Pfarrer, Beamte hatten den Grund und Boden und die nötige Zeit zum Imkern und konnten sich durch den Honigverkauf etwas dazuverdienen. Die Imkerei wurde im Lauf der Zeit immer unhipper: zeitaufwändig und arbeitsintensiv, das passt nicht zum modernen Bürosklaven, der täglich stundenlang zum Arbeitsplatz pendelt und immer auf dem Sprung sein muss, der Arbeit zuliebe auch den Wohnort zu wechseln. Es gab (fast) nur noch alte Männer, die niemanden fanden, um ihre jahrzehntelange Erfahrung und letztlich auch die Bienen weiterzugeben, wenn sie irgendwann alters- oder krankheitsbedingt mit dem Imkern aufhören mussten. Die Folge: immer weniger Imker, immer weniger Bienenvölker. Der Rückgang der Zahl der Bienenhüter (das „Imkersterben“) wurde zwar in den letzten Jahren durch viele AnfängerInnen fast ausgeglichen, die halten aber im Gegensatz zu den Alten meist nur zwei oder drei Völker im eigenen Garten. Für die Mehrheit der heutigen HobbyimkerInnen ist die Beschäftigung mit dem Bien Lifestyle, nicht Nebenerwerb wie früher. Dadurch fehlen sehr viele Völker für die Bestäubung. Hier in der Gegend gibt es viele Orte, in denen kein einziges Bienenvolk mehr gehalten wird. Ich werde oft gefragt, ob ich nicht da oder dort welche hinstellen will.

Was die Aussagen zu den Honigbienen hierzulande betrifft, hat Liebig meines Erachtens zu 99% Recht. Die meisten Völker gehen ein, weil nicht rechtzeitig und sachgemäß gegen die Varroamilbe behandelt wurde. So können sich Viren, die von der Milbe übertragen werden, im geschwächten Volk ungehindert vermehren und zum Zusammenbruch führen. Und den Bienen ging es früher tatsächlich nicht besser. So weit die lückenhaften Aufzeichnungen das hergeben, gab es auch vor der Einführung der Milbe immer wieder Jahre mit hohen Verlusten, begründet durch schlechtes Wetter (nasskalter Herbst -> wenig Pollen -> mangelernährte Winterbienen) und Krankheiten (Nosemose, Acariose, Amöbiose), die heute teils kaum noch auftreten (z. B. Acariose: Tracheenmilben waren gefürchtete Parasiten und sind quasi ausgestorben, weil sie durch die Varroabehandlung gleich mit erledigt werden).

Jungbiene mit DWV

Jungbiene, erkrankt am DWV (Flügeldeformationsvirus), der von der Varroamilbe übertragen wird

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Bienen sind Insekten und Insektizide sind selbstverständlich schädlich für Bienen! Wenn der Imker schlampt und seine Völker an der Varroose oder ihren Folgeerkrankungen eingehen lässt, ist die subletale Schädigung durch Neonicotinoide und andere Substanzen aber irrelevant.

(Kurzer Nachtrag zum verlinkten Liebig-Text: Mit der Biodiversität sieht es meines Wissens und meiner Beobachtung nach durchaus anders aus und wie und warum China Honigexportland ist, ist eine ganz andere Geschichte, auf die ich hier und jetzt nicht eingehe.)



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Tschüss 2017

Immer alles anders: Morgen soll es laut Wettervorhersage schon wieder deutlich kühler werden, doch das alte Jahr verabschiedet sich mit stürmischen 13 °C. Vor den Stöcken herrscht Bienenflug, nicht gerade wie im Mai, aber doch wie im September. Die Immen freuen sich über milde Wintertage, an denen sie den Stock kurz verlassen und ihre Kotblasen entleeren können (ein paar optimistische Pionierinnen stürzen sich sogar auf die blühenden Gänseblümchen). Bienen sind äußerst reinliche Tiere und verrichten ihr Geschäft nur im allerschlimmsten Krankheitsfall in der eigenen Wohnung. Bleibt es durchgehend kalt, halten sie deshalb bis zum Frühjahr ein. Am ersten schönen Februar- oder Märztag strömt das Volk dann zum Reinigungsflug ins große Freiluftklo und erleichtert sich, dem Anschein nach am liebsten über Nachbars frisch poliertem silbergrauem Sportflitzer, auf dem man die  gelb-braunen Spritzer fast genauso gut sieht wie früher auf der zum Trocknen aufgehängten Weißwäsche. So trägt das schöne Hobby Imkern auch zur Pflege der nachbarlichen Kontakte bei und das eine oder andere Glas Honig wandert als Wiedergutmachung über den Gartenzaun. Können die Summseln zwischendurch raus, pressiert’s im Frühling nicht so, dafür sorgt sich die Imkerin gleich wieder, dass das Futter zur Neige gehen könnte, wenn die Tierchen so aktiv sind und viel mehr verbrauchen. Irgendwas ist halt immer.

Reinigungsflug zu Silvester

Und die Milben? Die Winterbehandlung mit Oxalsäure (genau: mit Oxalsäuredihydrat-Lösung 3,5% (m/V) ad. us. vet. ) habe ich am zweiten Weihnachtstag zusammen mit zwei engagierten Jungimkerinnen durchgeführt. Danke nochmals für die Hilfe, Julia und Laura! Da es auch an diesem Tag eher mild war, saßen viele Völker eher locker, teils über die ganze Beute verteilt und nicht in einer Wintertraube wie aus dem Lehrbuch. Nur die Bienen in Berghausen, wo es immer ein paar Grad kälter ist als hier im Aartal, saßen ordentlich eng zusammen. Aus pragmatischen Gründen haben wir dennoch auch die locker sitzenden Völker mit Oxalsäure beträufelt (und nicht mit Milchsäure eingesprüht). Nebenbei konnten wir feststellen, dass die Futterwaben im oberen Brutraum noch gut gefüllt sind: die Zargen waren ordentlich schwer.

Entmilbt, entleert und mit vollen Vorratskammern: die Bienen gehen satt und sauber ins neue Jahr. Mögen sie ebenso wohlversorgt aus dem Winter kommen!

Im Garten sieht es heute ansonsten so aus:

Das einzig winterliche sind die schneeweißen Blüten eines verwirrten Löwenmäulchens.

So, und jetzt bin ich schwer gespannt, was das neue Jahr uns bringt!



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Weißes Zeug

Zum ersten Advent ist der Winter bei uns jetzt wirklich ausgebrochen. Auf den Deckeln der Bienenstöcke liegt eine fluffige Schneeschicht, die langsam dicker wird. Spatzen, Meisen und Rotkehlchen holen sich Energie aus den fetthaltigen Kernen in den Futterspendern. Der Kater liegt träge in seinem Filznest an der Heizung und schaut den Vögeln ziemlich desinteressiert zu. Jedes Bienenvolk kuschelt sich als leise summende Wintertraube um seine Königin, um sie zu wärmen.

Weißes Zeug im Garten der Pitzbees

Und der Gabee fällt ein, dass sie wieder vergessen hat, die Mäusegitter anzubringen.

Bewohnte Bienenstöcke sind ein begehrtes Winterdomizil in Maus- und Spitzmauskreisen: Man ist vor der Witterung geschützt, hat eine kostenlose Heizung und sogar Proviant wird vorgehalten. Mäuse vergreifen sich gern am eingelagerten Pollen und Honig, Spitzmäuse als Insektenfresser gar an den Bienen selbst. Solch ein bepelzter Untermieter gefährdet das Überleben des ganzen Bienenvolks, allein durch die Unruhe und den Lärm, die durch das Herumwuseln entstehen.
Die meisten der von mir benutzten Böden (der Boden ist die unterste Etage der Bienenwohnung) haben bedingt durch ihre Bauart eine integrierte Mäusesperre: Das Flugloch ist so hoch, dass die Bienen bequem Platz haben, ein- und auszufliegen, aber Kleinsäuger nicht hinein schlüpfen können. Für die Völker im Bienenwagen habe ich andere Böden angeschafft, um die Belüftung auch durch das Bodengitter zu ermöglichen. Und diese sogenannten Flachböden (sie haben mehr Bodenfreiheit, sind aber insgesamt flacher als die anderen, die folgerichtig Hochböden heißen) müssen durch vorgesetzte Gitter gegen das Eindringen der Störenfriede gesichert werden. Ein kleiner Aufwand, den ich schon im letzten Winter vergessen hatte, mit leider deutlich sichtbaren Auswirkungen:

Der Eindringling hat sich vor Ort nicht nur Sägemehl zur Auspolsterung des Nests beschafft, sondern auch einen ordentlichen Vorrat an Knabberkram in den Bienenstock geschleppt:

Wie man an den Hainbuchennüsschen sieht, hatte es sich hier wahrscheinlich eine Rötelmaus gemütlich gemacht. Was ich leider vergessen habe zu fotografieren: Das Mäuschen hatte sich nicht nur ein Nest aus Blättern und Sägespänen gebaut und Samen gebunkert, sondern auch nahezu kreisrunde Löcher in drei Vorratswaben genagt. Ein süßer Snack zwischendurch, wer kann dazu schon nein sagen …

Das Bienenvolk zeigte übrigens bei der ersten schnellen Frühjahrsdurchsicht als einziges noch keinerlei Brutaktivität und war sehr unruhig, so dass ich dachte, die Königin sei über Winter verlorengegangen. Bis ich den Boden öffnete und die Bescherung sah. Mäusenest und Nüsschen ausgeräumt und das Flugloch nagersicher gemacht, und siehe da: schon drei Tage später hatte die Königin angefangen, Eier zu legen und das Volk entwickelte sich im weiteren Jahresverlauf ganz normal. Das war Glück: es sind schon viele Bienenvölker eingegangen, weil der Futterverbrauch durch die ständige Unruhe im Stock einfach zu groß war.



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Hier hat die Frau die Hosen an

Bei den Hosenbienen machen sich die Kerle ein schlankes Bein (Drohnen halt), während die Weibchen die namensgebende ausladende Pluderhose tragen und darin die Kindernahrung nach Hause schleppen. Fast wie im richtigen Leben.

Und der kleine Mann in meinem Ohr raunt der hart arbeitenden Mutter mit Max-Goldt-Stimme zu: »Na, du kleine Hosenbiene – ?«



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Ansichten eines Pflegevolks

Der Tipp, eine Zarge mit Mittelwänden aufzusetzen, damit die Pflegebienen ihren Bautrieb dort abreagieren können und nicht die Prinzessinnen einmauern, klang total überzeugend. Als ich heute zur Ernte kam, hörte ich schon von weitem einen recht energischen Sprech Summchor. Eine Kamikaze-Biene schrie mir im Stechton ins Ohr: »Behalt deine krummen Mittelwände! Wir wollen Droh-nen! Droh-nen!« und der Chor fiel ein: »Droh-nen! Droh-nen! DROH-NEN!», während sie ihren Stachel sorgfältig in meiner Nase versenkte.

Okay, kapiert: Nächstes Mal hänge ich noch einen Baurahmen rein.



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Wenn Bienen langweilig ist

Menschen knibbeln dann das Etikett von der Bierflasche, Bienen verwandeln Entdeckelungswachs (das sie eigentlich nur ausschlecken sollten) in ein filigranes Zauberschloss.



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Königinnenzucht III

Juchu, endlich wieder Sonne und Wind!

Nach drei Tagen im Keller bezogen die Jungvölkchen heute ihre temporären Domizile auf der Wiese und am Waldrand. Laut Wettervorhersage haben die jungen Königinnen in den nächsten Tagen die allerbesten Aussichten auf erfolgreiche Begattungsflüge. Durchtrainierte Drohnen aus deiner Umgebung warten auf dich!



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Königinnenzucht II

Dreizehn der siebzehn Königinnen aus Mayen sind tatsächlich geschlüpft und haben sich jetzt in geschmackvoll dekorierte Bungalows mit eigenem Hofstaat eingemietet.

Damit die zahlreiche Dienerinnenschaft kapiert, wen sie künftig betüdeln soll, werden Prinzessin und Hofdamen für drei Tage eingekerkert. Das schweißt zusammen.



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Königinnenzucht I

Am 1. Juni habe ich „Zuchtstoff“ geholt: junge Larven von gekörten Königinnen aus der varroatoleranten Mayener Linie.

Die Annahme durch das Pflegevolk ist ganz okay: 17 Weiselzellen wurden angepflegt. Heute habe ich die frisch verdeckelten Zellen gekäfigt, um die Jungköniginnen in spe voreinander zu schützen – die erste, die schlüpft, würde sonst alle anderen töten. Es kann nur eine geben!



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Ein Schwarm!

Na ja, eigentlich ein Schwärmchen. 😉

Ein Schwärmchen!

In Nachbars Kiefer hatte sich ein kleiner Schwarm niedergelassen.  Weil ich keine Zweige abbrechen wolle, habe ich sie mit dem Joghurtbecher rausgelöffelt.

Das sind so wenige Bienen (gegen Abend mal durch die Abdeckung der Beute, in die sie mittlerweile eingezogen waren, geguckt: nur vier Wabengassen voll), dass ich auf einen Nachschwarm tippe. Und der wäre dann nicht mal von mir.

Königin erwischt! Der Rest des Schwarms zieht freiwillig hinterher in die Beute.



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